
Kronen Zeitung
„WILL KEINER SEHEN“
Als Rapid versagte, wurde es ein Derby der Schande
Grün-Weiße Anhänger sorgten am Sonntag bei Rapids Niederlage im Wiener Derby gegen die Austria mit Raketen im Finish fast für einen Abbruch. Nach dem nächsten Skandal ist die Sektorsperre in zumindest drei Top-Spielen fix.
Als die 1600 Rapid-Fans auf „Wir wollen Rapid sehen“ im Derby-Finish „Wir haben die Schnauze voll!“ anstimmten, musste man in Favoriten Schlimmes befürchten. Sekunden später, in der 89. Spielminute, war es soweit, wurden im Gästesektor nicht nur Bengalen gezündet, sondern auch Raketen (blieben zum Glück im Fangnetz hängen) abgeschossen. Sogar die Feuerwehr musste zum Löschen ausrücken, ein Ordner soll von einem Wurfgeschoss verletzt worden sein. Ein sportlich ernüchterndes Derby wurde für Rapid zu einem Abend der Schande! Wieder einmal.
Referee Markus Hameter holte die Teams, schickte dann alle Spieler gemäß des Dreistufenplans in die Kabine. Nach elf Minuten ging es weiter, wurde doch noch die Nachspielzeit über die Bühne gebracht. Wenigstens kein Spiel-Abbruch, so blieb es bei Austrias 2:0-Sieg.
Aber noch schlimmer als die sportliche Krise (zwölf sieglose Pflichtspiele in Folge) wiegt für Rapid der Skandal auf den Rängen. Nach vier Derbys ohne Gästefans, nach den Ausschreitungen im Herbst 2024 waren die Anhänger gestern erstmals auf „Bewährung“ dabei, rund 500 Polizisten und 300 Ordner im Einsatz. Aber die unbelehrbaren Idioten waren in ihrem Frust letztlich nicht zu stoppen.
„Wir müssen unseren Sport beschützen“
Die Strafe folgt prompt, die Bewährung wird schlagend, in den nächsten drei Top-Spielen wird Rapids Fansektor gesperrt werden. „Auch wenn man den Frust der Fans verstehen kann, das will keiner sehen“, sagte Rapids Stürmer Andi Weimann. Trainer Johannes Hoff Thorup pflichtete ihm bei: „Wir müssen unseren Sport beschützen. Ich bin als Kind im Stadion aufgewachsen, das müssen sichere Orte sein.“
Ähnlich sprachlos machte auch das sportliche Versagen auf dem Rasen – Weimann: „Das ist schwer zu erklären. Im Training schaut es ganz anders aus. Wir verlieren jeden Zweikampf, das geht in einem Derby nicht.“
Ndzie schwer verletzt
Das 0:1 servierte Amane Torschütze Eggestein, beim 0:2 ließ sich Rapid auskontern. „Das hätten wir mehrmals verhindern können“, ärgerte sich Hoff Thorup, dem der Mut, die Aggressivität fehlte. „Inakzeptabel“, bringt es Weimann auf den Punkt. Bis auf einen Bolla-Schuss (60.) kam Rapid im gesamten Derby zu keinem gefährlichen Abschluss, spielerisch war es ein Offenbarungseid. Und das, obwohl man im Kampf um die Top 6 mit dem Rücken zur Wand steht.
Damit müssen Kapitän Seidl und Co. weiter auf den ersten Dreier seit Anfang November (2:1 gegen Sturm) warten. Unglaublich, dass die Top-6-Chance dennoch lebt, nur zwei Punkte auf den Fünften Hartberg fehlen. Drei Runden vor Schluss. Wobei man auch Ndzie mit einer schweren Knieverletzung verlor. Das passte zu Rapids schwarzem Derby-Sonntag!
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